WALD, WILD UND WIDERSPRÜCHE
Ein Einblick in die aktuelle Forststrategie in Baden-Württemberg
Dieser Bericht fasst die komplexe Situation im Staatswald (ForstBW) zusammen. Er beleuchtet
das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Holznutzung, dem Schutz junger Bäume und dem
dramatischen Rückgang des Rotwilds.
1. Das Geschäftsmodell: Jagd und Holz
ForstBW verwaltet über 300.000 Hektar Wald. Die Einnahmen stammen aus zwei Hauptquellen:
Holzverkauf: Die wichtigste Einnahmequelle. Hierfür werden schwere Maschinen eingesetzt.
Jagdpacht: Etwa 24 % der Fläche (ca. 82.300 ha) sind an Privatpersonen verpachtet. Dies
bringt jährlich ca. 1,4 bis 1,6 Mio. Euro ein.
2. Das Rotwild: Ein Bewohner unter Druck
In Baden-Württemberg darf Rotwild (Hirsche) nur in 5 gesetzlich festgelegten Gebieten leben
(nur 4 % der Landesfläche).
Der Wald-Wild-Konflikt: ForstBW verfolgt die Strategie "Wald vor Wild".
Die Logik: Damit junge Bäume ohne teure Zäune wachsen können, muss das Wild so stark
reduziert werden, dass kaum noch Schäden durch Verbiss entstehen.3. Der große Widerspruch
Hier prallen zwei Realitäten aufeinander, die für viele Beobachter unlogisch wirken:
Das Problem der Rückegassen: Auf diesen Schneisen wächst nie wieder ein Baum. Der
Boden ist dort so hart wie Beton.
Wenn auf 3 km Waldweg über 130 solcher Gassen abzweigen, geht ein erheblicher Teil der
Waldfläche als Lebensraum und Speicher verloren.
4. Warum wird das so gemacht?
Es ist eine Frage der Effizienz:
Naturverjüngung ist kostenlos: Wenn Bäume von selbst aussamen, muss der Staat kein Geld
für Pflanzungen ausgeben. Damit das klappt, darf aber kein Hirsch an den Trieben knabbern –
also wird das Wild stark bejagt.
Maschinen sparen Personal: Ein Harvester ersetzt viele Waldarbeiter. Die Zerstörung des
Bodens durch die Rückegassen wird als "notwendiges Übel" für die Wirtschaftlichkeit in Kauf
genommen.
Fazit für Laien:
Das Rotwild verliert seinen Lebensraum und wird massiv reduziert, um eine Waldgeneration zu
schützen, deren Fundament (der Boden) oft zeitgleich durch industrielle Forstwirtschaft
geschädigt wird.